
Holz mit Metall, 1159,21 €, von Marc Jacobs
Schlau ist die Frau, der Net-à-porter.com gehört. Ganz ehrlich: Die weiß, wo Barthel den Most holt. Als alle Welt nach Luxus schrie und selbst die letzte Malle-Maus dringend mit etwas rumlaufen wollte, was so tat, als wäre es nicht von Luis Vitton, erfand Frau Natalie Massenet den weltweit erfolgreichsten Internet-Shop für Designer-Mode: Net-à-Porter.com, genau. Als Aufmunterung für alle “freigestellten” und somit “outgesourcten” Mode-Redakteurinnen: Begreift Schicksal als Chance, was diese Frau kann, solltet ihr auch können. Dann müsst ihr auch nicht mehr nägelkauend darauf hoffen, dass ihr unter Putzfraulohnniveau bezahlte Artikelchen für die vom Aussterben bedrohten sogenannten Frauenmagazine schreiben dürft. Sondern macht, wie Madame Massenet, mit den größten Designern der Welt auf Augenhöhe “Business”. (Ja, ich hab’s aktuell mit An- und Abführungen.)
Alles, was ihr dafür braucht, ist neben einer guten Idee, die wir alle haben, lediglich ein adäquater Gatte. Aber das wisst ihr ja, so war das schon in der Steinzeit der Boutiquengründung, wie Frauen bereits ganz früh in der Barbieschule lernen. Mit Mister Massenet hat Natalie zum Glück, zum Glück, zum Glück einen Hochkaräter aus den Gattenminen geschürft: einen Investmentbanker. Der mit ein paar anderen gerade flüssigen Bankern 1,3 Millionen Dollar Startkapital aus der Portokasse zog, damit die Liebe eine Ruh und die Stylistinnenehefrau einen standesgemäß einträglichen Zeitvertreib hat.
Die nun, da High-end-Shopperinnen nicht mehr ganz problemlos das gemeinsame Konto räumen dürfen oder ihr der monatliche Tussi-Etat um entscheidende Zehntausender zusammengestrichen wurde, beispielsweise ein äußerst saisonabhängiges Designerkleidchen für umgerechnet 6 -7 Hartz-IV-Sätze etwas weniger geschmeidig abverkauft. Aber! Natalie ist wie erwähnt schlau. Und eröffnet flugs einen Secondhand-Internetladen für alles, was bei 3 noch immer nicht an der Net-a-porter-Kasse landete.
Seitdem ist wieder alles gut. Und mit the-outnet.com wäre endlich auch ich nur noch drei, vier Monate Schreibaufträge entfernt von beispielsweise einem Marc-Jacobs-Armreifen. Der jetzt zur großen Freude nicht mehr 1159,21 € exkl. Versand und Steuern kostet (man achte auf die entzückenden Preisdetails hinter dem Komma), sondern zum Wahnsinns Discount-Hammerpreis von 347,76 € zu haben ist!
Ich fang sicher auch bald an, schlau zu sein, und kaufe mir dann etwas Kunstharz im Kreativbedarffachhandel, feines Schmirgelpapier, Heißkleberpatronen und ein entzückendes Juwelenhämmerchen sowie eine Handvoll Tand aus dem Tandlädchen – und vertreibe meine Wartezeit am Bürotelefon damit, mich von handwerklichen Nebentätigkeiten inspirieren zu lassen. Falls also irgendein überbemittelter Investmentbanker seinen letzten Jahresbonus noch nicht vollständig ausgegeben hat – ich komme auf noch mehr so tolle Ideen. Versprochen.