Ditto sei Dank, die Mode kommt in Wallung.
Seit es die Lifestyle-Gazetten allüberall für wichtig halten, nicht mehr nur Amys Exzessen, Jennifers Single-Tränchen oder Angelinas Kindergeschrei hinterher zu berichten, sondern ihr Augenmerk außerdem auf eine stark übergewichtige Sängerin mit geringer Selbstdarstellungsbarriere und gleichgeschlechtlichen Beziehungsvorlieben zu richten (Achtung, provokant …), ist big also angeblich beautiful. Beth Ditto surft gerade von Modenschauen über Titelblätter bis Papparazzi-Beliebtheit auf der ganz großen Welle. Ich glaube ja nicht an Zufälle und tippe beim Thema Super-Size-Trend ja eher auf eine gewisse Unvermeidbarkeit – wo doch die wenig organismusfreundlichen Ernährungsgewohnheiten der modernen West-Welt sich offenbar nicht mehr dahingehend korrigieren lassen, dass für Bewegung statt Fernseher, Nahrung statt Snacks und andere nachhaltige Umdenk-Manöver noch ein größeres Publikum zu begeistern ist. Im Gegenteil: Massive Entfremdungsphänomene, den eigenen Körper und das Selbst betreffend, zeitigen nun auch am Modemarkt sichtbare Konsequenzen.
So berichtet die International Herald Tribune von einer prinzipiell natürlich freundlich zu begrüßenden Zunahme an modischer Garderobe für die gehobeneren Konfektionsgrößen. Angeführt von einer Special-Interest-Kollektion besagter Frau Ditto – eine Art Gegenentwurf zu Kate Moss’ Aktivitäten bei Topshop und online ab dem 9. Juli zugänglich über deren Plus-Size-Tochtermarke Evans –, ziehen vor allem in den USA bereits diverse Textilunternehmen nach. Aber wenn denn die Devise lauten soll: “Stärkt das Selbstbild stark gebauter Frauen” – können da rosa Leggings oder kreischige Punk-T-Shirts ernsthaft als medium du jour gelten? Ein Outfit Look Eine Kombination, in der noch ganz anders konfektionierte Frauen schlimm ausehen? Ein Jahr schneller als Beth, dafür um Lichtjahre langweiliger war die in allen Übergewichtsfragen unvermeidliche Auskunftsinstanz Tine Wittler. Sie enthüllte schon 2008 ihre Ideen, wie man sein Moppel-Ich stylischer verpacken könnte. Haben Sie gar nicht mitbekommen? Das habe ich mir beim Anblick der ausnehmend folkloristischen Wittlerschen Wallewalle-Vorschläge schon gedacht.
Ganz ehrlich: Das Zeug ist so demonstrativ kreischfröhlich (Ich fühl mich gut … Sie wissen schon), da bleibt man doch lieber gespannt auf Beth, die Punk-Klamotte und den 9. Juli.
