Heute also bei Karstadt gewesen. Und mich gefreut, dass es noch existiert. Natürlich, weil diese Zweigstelle mitten in Hamburgs Shopping-Zentrum steht, schickmodernisiert und aufgerüscht inmitten pompöser, seit der Krise irgendwie gestrig wirkender Flagship Stores. Karstadt, so wie es da draußen vor der großen Stadt dagegen liegt, häufig in alten Kästen aus den frühen Siebzigern, muffig, heruntergekommen, mit einem entsprechend belanglosen Warenangebot – ich weiß nicht, ob ich dem eine Träne nachweinen könnte. Muss ich aber auch nicht, denn dort lebe ich nicht, kann also jeder dort besser beurteilen. Zurück deshalb zu Karstadt Hamburg Innenstadt, das in diesem Fall Alsterhaus heißt und unter einem Investor-Rettungsschirm steht: Ich danke den dafür Verantwortlichen, denn selbst wenn ich den Alsterhaus-Einkäufern nicht zwingend Weltläufigkeit und einen gewagten Geschmack attestieren möchte, bewahren sie mich dennoch mit einem hinreichend attraktiven Angebot vor der Alternative, besagte superöde Superboutiquen betreten zu müssen.
Was ist an denen so fürchterlich falsch? Ganz einfach: Sie sind zutiefst beklemmend. Und zwar schon immer – und heuer nur schlimmer. Meist stehen dort verstört, meinetwegen gestört wirkende Verkäuferinnen-Hennen mitsamt einigen zurechtgegelten, geduschten, geföhnten und parfümierten -Gockeln und lauern, eine sauertöpfig gelangweilte Miene unter der Perfektfrisur, auf Kundschaft. Die bei diesem Anblick zu Recht jede Absicht in Frage stellt, dieses Geschäft auch nur betreten zu wollen. Kommt es trotz dieses nachvollziehbaren Reflexes zum Äußersten und ein Kunde schaft es bis in den Laden, klebt sich ihm dieses sogenannte Personal umgehend an die Fersen, obwohl sein abschätziger Gesichtsausdruck unschwer ablesen lässt: Was störst Du unsere Ruhe, und überhaupt, kannst Du Dir unsere Mode eigentlich leisten? Der zweite verfügbare Gesichtsausdruck wäre ein Angst und Schrecken verbreitendes Retortenlächeln, das aber glücklicherweise nur zutage gefördert wird, sobald eine Horde Spielerfrauen oder sonstiges geschmacksbefreites Neureichengesindel derartige Verkaufsbühnen heimsucht.
Soll ich noch ein Wort zu der hier angebotenen Mode verlieren – oder ist klar, dass die in so einer Inszenierung nur eine marginale Neberolle zu spielen vermag?
Nein, ich danke statt dessen noch einmal den Rettern der wenigen Luxus-Warenhäuser, die Sinn machen, und freue mich, dort auch in Zukunft ungestört Mode aus allen Weltecken zusammensuchen zu können, sie anzuprobieren – und dann gegebenenfalls einem Personal übergeben zu dürfen, dass sich darüber freut, eine sinnvolle Arbeit zu haben. Ja, das können Sie schon mal an die Kasse tragen, vielen Dank.
